Schmerzfrei Laufen

Pure Lebensfreude beim Laufen gewinnen!

ACHTUNG: Schlummernde Gefahren beim "Barfuß"-Laufen, oder wer hätte das je Gedacht!

Liebe Freunde des Laufsports,

Eine heftig schmerzhafte Erfahrung, ausgelöst durch ein altes, leider über viele Jahre unentdecktes Läufer-Leiden, hat meiner Teilnahme am diesjährigen München Marathon ein jähes und sehr abruptes Ende bereitet.

Da es sehr viele und ganz speziell aktive Läuferinnen und Läufer treffen kann, möchte ich all jenen, diese völlig unerwartete und sehr schmerzhafte Erfahrung ersparen helfen.
Dazu kommt noch der zunehmende Enthusiasmus für das natürliche barfuss-artige Laufen mit sogenannten Racing- oder minimal Schuhen, dass nach meiner Erfahrung, diese Gefahr geradezu provoziert.

Was war geschehen?

Bis vor einigen Wochen hatte ich mein Training für den München Marathon sehr gut absolviert. Ich hatte stets wie im Lehrbuch fleissig alle ChiRunning Fokusse in all meine Läufe eingebaut und hielt all meine selbst gewählten Zeitpläne sehr penibel ein, um auch alle Zeichen von körperlicher Überlastung durch Übertraining tunlichst zu vermieden.

Wie gesagt, alles lief absolut perfekt und nach Plan, bis ich mir mehr und mehr zur Angewohnheit machte, entgegen allen guten ChiRunning Vorsätzen, in den letzten Wochen, mit meinen nagelneuen und phantastisch leichten Hattori-Laufschuhen von Saucony (beide wiegen zusammen gerade mal 200g!), immer längere Strecken zu laufen.
Ich muss einfach ganz ehrlich nachträglich zugeben, der neue Schuh vermittelte mir einen viel grösseren Barfuss-Spaß als meine ab und zu benutzten Vibram 5-Fingers. Ich hatte das Gefühl viel entspannter auf dem Mittelfuß zu landen und dabei eine wesentlich besserer Körperhaltung beim Laufen einzunehmen. Alles in allem, einfach ein tolles, natürlich befreites Laufgefühl. Diese Euphorie über das leichtfüssigere Laufen, nahm mir langsam aber sicher die letzte Vorsicht und ich begann unmerklich immer mehr und mehr die Einsatzzeit und Distanz, an denen ich die Schuhe nützte, zu zu verlängern und damit ziemlich zu Übertreiben.

Den Höhepunkt und gleichzeitig das schmerzhafte Ende fand diese zunehmend unvernünftige Einstellung dann vor gut einer Woche. Es stand wieder einer meiner LSD-Läufe dieses Mal über 34 km an und ich hatte einfach kurzerhand grosse Lust, ihn mit den neuen Hattori's zu laufen.

Die Strafe folgte sozusagen auf dem Fuss - nach ca. 28 km war abrupt Schluss mit Lustig. Einer meiner Füsse zeigte mir abrupt die rote Karte!

Bereits 2-3 km vorher schlich sich ein immer stärker werdender, stechender Schmerz in die Fußsohle meines rechten Fusses, sodass ich letztendlich nicht mehr in der Lage war auf der Ferse aufzutreten. Ein Glück, dass ich nicht mehr all zu weit mehr von zu Hause entfernt war und so gerade noch heftig humpelnd, mein heimisches Ziel erreichen konnte. Obwohl der Schmerz nach sofortiger Behandlung mit einer Eispackung nachliess, ahnte ich nichts Gutes und suchte am nächsten Tag meinen Orthopäden auf.

Die total erschütternde Diagnose: Akute Plantar Fasciitis ausgelöst durch einen über viele Jahre existierenden, aber bis jetzt völlig schmerzfreien Fersensporn!

Wie gibt es den so etwas? Ich hab doch wirklich bisher absolut nichts gespürt! War meine erste und brennende Frage an den Doc.

Seine lapidare Antwort lautete:

"Na ja, da haben sie wahrscheinlich, wie sehr viele Jogger und Hobby-Läufer, vor vielen Jahren eine latente, unerkannte Fasciitis überstanden, die damals bei Ihnen kaum Schmerzen verursacht hat, aber fast immer beim Abheilen diese Verkalkung am Fersenbein zur Folge hat. Wie gesagt, sehr viele Menschen in der Bevölkerung (fast 50%!!!)entwickeln einen solchen Fersensporn über die Jahre, der einfach ganz ohne Symptome als tickende Zeitbombe schlummern kann. Entdeckt wird er meist erst dann, wenn es zu einer weiteren, heftig schmerzhaften Entzündung an der Fusssehne, vor allem durch Überlastung des Fusses, kommt. Man findet ihn dann erstmals auf den Röntgenbild (siehe Bild unten)".


Pasted Graphic


Kurze Rede betrüblicher Sinn, hätte ich beim Einsatz der neuen Laufschuhe, getreu dem wichtigen Chirunning-Prinzip des allmählich, langsamen Fortschritts immer darauf geachtet, meinen Fuss nur ganz graduell mit diesem Schuhwerk zu Belasten, wäre mir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dieses akute Problem mit meinem Fersensporn erspart geblieben.

Wer weiss das schon nachträglich wofür es gut ist. Es war auf jeden Fall ein sehr wichtiger Weckruf und nicht nur für mich!

Ich möchte deshalb ausdrücklich vor unvernünftig gestaltetem quasi Barfuss-Laufen (Natural Running etc.) und dem dadurch fast überall ausgelösten Hype warnen!
Der natürliche Barfuss-Lauf, aber auch der, mit sogenannten Minimal-Laufschuhen, ist für uns alle erstrebenswert, aber trotz berechtigter Vorteile, niemals um jeden Preis zu erzwingen. Er setzt neben umfangreicher Aufklärung, auch ausserordentlich gute Schulung in Zurückhaltung, sowie disziplinierte Ausdauer bei der Eingewöhnung der Füsse voraus, um ohne Schwierigkeiten durchgeführt zu werden.

Jedem, der vor allem bereits viele Jahre ohne Probleme gelaufen ist, rate ich zumindest zu einer vorbeugenden Untersuchung der Ferse auf einen versteckten Sporn. Besonders dann, wenn er ein längeres oder gar belastendes Laufprogramm, wie es die Vorbereitung auf einen Marathon oder ähnliche Wettbewerbe sein kann, plant. Niemand und ich betone das jetzt aus eigener, sehr schmerzlicher Erfahrung, ist sonst vor einer solchen schlimmen Erfahrung je geschützt.

Vorbeugen ist dabei immer besser als langwieriges Heilen, zumal die Folgen, obwohl laut Arztaussage eine Bagatelle, auf Dauer zum endgültigen "AUS" des eigenen Laufsports führen kann und das wäre wohl für viele ein wirklicher ein richtiger Schock - oder?

Mir steht jetzt nach einer ca. 3-4 wöchigen totalen Laufpause eine Laser- und Stosswellenbehandlung ins Haus. Die Schmerzen sind zwar im Moment schon fast ganz weg, aber ich muss einfach weiter eisern durchhalten und den Fuss nicht zu stark belasten, damit die Entzündung auch ganz verschwindet.

Gott sei Dank bin ich bis zu meinem nächsten geplanten Workshop wieder einsatzfähig, denn die Hoffnung bleibt bestehen: Das Problem kann bei nötiger Konsequenz, Schonung und guter Behandlung komplett ausgeheilt werden. Meine Devise für die Zukunft ist jetzt noch mehr auf die Prinzipien des ChiRunning einzugehen und vor allem die eigene Erfahrung als Motivation für ihre konsequente Durchführung zu nutzen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen:
WIRKLICH beschwerdefreies und vor allem sicheres Laufen durch konsequente Anwendung der ChiRunning Prinzipien.

Euer ChiRunning Coach

UPDATE (01.02.2012):
Ich habe endlich alles 100% überstanden und die Schmerzen sind nun endgültig komplett weg. Der ganze Prozess war nur mit viel Geduld, Ausdauer und viel Zuversicht in die ChiRunning Technik wirklich zu bewältigen.
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