Schmerzfrei Laufen

Pure Lebensfreude beim Laufen gewinnen!

Wie beurteile ich meine Haltung beim Laufen (gerade im Winter) am besten selbst? Eine Selbststudie.

Liebe Lauffreunde,

Wer hat sich nicht immer einmal die Frage während des Laufes gestellt, "Laufe ich im Moment wirklich mit richtiger guter Haltung - oder vielleicht doch nicht?!". Wie kann ich denn da sicher sein und wie kann ich mich selbst korrigieren.

Auch ich habe sie mir immer wieder gestellt, um nicht zuletzt ernsthaft Verletzungsfrei bei meinem Lieblingssport zu bleiben.
Nachdem ich also meinen Körper wieder und wieder bei jeder Runde aufs neue beobachtet habe, wurde mir gerade jetzt, in der Winterzeit, beim Laufen auf sehr herausfordernden Untergrund, sehr vieles bewusster, was ich sonst, als "so genannter "Schön-Wetter-Läufer" kaum bemerkt habe.
Die fast täglich widrigen Wege- und Strassenverhältnisse, mit Eis, Schnee, Matsch und allen erdenklichen Mischungen aus diesen verschiedenen Belägen, fordern geradezu eine gute Haltung und Beinarbeit.
Ganz besonders dann, wenn die Haltung meines restlichen Körpers zu meinem "Fahrgestell" nicht besonders ausgeglichen war. All die Unebenheiten bei diesen Verhältnisse bergen stets die Gefahr des Umknickens, seitlichen Abrutschen oder nach hinten Durchrutschen, wenn zu kräftig Abgedrückt wird, als auch der Verlust der gesamten Balance im Körper. Das schien mir anfangs trotz guter ChiRunning Technik nicht wirklich gut zu gelingen, um einen wirklich entspannten Laufen zu erzielen.
Meine Bemühungen den Fuss und Unterschenkel wirklich zu entspannen, wurden auf diese Art und Weise auffällig gestört und führten oft zu muskulären Verspannungen in Wade, ITBs, Adduktoren und all den kleinen Muskelgruppen um die beiden Knie herum.

Nun werdet ihr euch wohl alle fragen, was kann man dagegen den tun? Richtig - hierbei kam mir wieder einer der wichtigsten Grundsatzfrage im Kopf hoch:
Wie kontrolliere und bewahre ich am besten auch bei solch Verhältnissen eine gute Körperhaltung und verhindere von vornherein jede ungünstige Ausrichtung meiner Körpersäule gegenüber den Kräften, die immer wieder völlig unerwartet und nach allen Seiten hin versuchten, mich in meiner Vorwärtsbewegung zu stören.
Alle klassischen Lauftechniken haben dafür absolut keine wirklich gute Antworten, ausser mit intensiver Muskelarbeit alles auszugleichen. Man frägt sich darum nicht ganz umsonst, warum das Laufen mit traditioneller Technik gerade im Winter so anstrengend und verletzungsträchtig ist.

Ich begann also mit einem Eigen-Experiment, das jeder, der sich mit ChiRunning aktiv befasst hat oder noch befassen will, nachvollziehen kann.
Mein Lösungsansatz beim Versuch hatte dazu nur 4, relativ klare und einfache Vorgehensweisen:

1. Versuche deinen Schrittabstand so weit schrittweise zu verkürzen, bis du möglichst die absolute "Stabilitätshoheit" beim Aufsetzen des jeweiligen Fusses auf dem Boden hergestellt hast.
2. Lehne dich nur soweit leicht mit dem gesamten Körper nach vorne und gehe bei jedem Schritt etwas mehr in die Knie, bis es immer leichter fällt deinen Fuss nach dem Boden Kontakt OHNE Abzudrücken nach oben anzuheben.
3. Versuche nun vom Gefühl her, deinen Körperschwerpunkt, also etwa die Mitte deines Unterbauchs, über deinen landenden Füssen zu halten.
4. Strecke nun deinen Oberkörper und richte in senkrecht auf OHNE dabei den Druck auf deine beiden Beine zu erhöhen.

Nachdem ich dies immer wieder Schrittweise durchführte, beobachtete ich, wie der Grad der Entspannungsgrad in meiner gesamten Muskulatur gleichmässig zunahm.
Erst als nach vielen Versuchen und Korrekturen diese komplette Entspannung in meiner Körpermitte ankam, begann auch meine Balance richtig gut zu werden, sodass ich kaum noch auf den Weg achten musste.
Selbst das (Aus)Rutschen auf dem durch die Witterungsverhältnisse extrem unebenen Bodens, fand immer weniger statt.
Auf diese Art und Weise habe so zu sagen begonnen meine "virtuelle Körpersäule" im Inneren förmlich zu "sehen" um sie dann auch spielend leicht in die optimale Haltung zu bringen.
Es stellt sich so eine wirklich echte meditative Verbindung zwischen dem Geist und dem in Bewegung befindlichen Körpers ein.
Von dem Moment an, wo meine Sorge umzuknicken, auszurutschen oder einfach die Kontrolle über die Balance zu verlieren wich, vertiefte sich auch mein Lauferlebnis.

So macht es selbst bei schlechter Witterungsverhältnissen und entsprechender Bodenbeschaffenheit, puren Spass zu laufen.
Ich habe dadurch erst meine genetisch ererbten Fähigkeiten in Punkto Biomechanik kennen und schätzen gelernt.
Reine Kraft ist nicht das Mittel der Wahl. Im Gegenteil, Muskeleinsatz erhöht hier nur unnötig das Verletzungsrisiko, weil man beginnt sich alleine auf die Muskulatur zu verlassen.
Viel wichtiger wird hier die Schulung des Zusammenspiels der sensomotorischen und kinästhetischen Steuermechanismen, die wir als moderner Mensch, nicht zuletzt durch akuten Bewegungsmangel, so sehr vernachlässigen.

In jedem Fall war diese Erkenntnis für mich wieder einmal der 100-prozentige Beweis dafür, das ich vor Jahren mit der ChiRunning Methode die mit abstand beste Methode zum Erlangung eines optimalen Laufstils gewählt habe.
Viele verletzungsfreie und entspannte Läufe waren und sind seither das Resultat.
Aber auch ich lerne immer weiter die Methodik besser anzuwenden und bei jeder Gelegenheit zu nützen. So würde ich gerne einen Satz von Laotse ergänzen:

Wahre Meisterschaft wird dadurch erlangt, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Darum geniesse jeden in vollendeter Entspannung.

In diesem Sinne, viele entspannte und verletzungsfrei Läufe,
Euer ChiRunning Coach

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